Lichtblick #1
Wie aus einer Mücke ein Elefant wird
8/26/20263 min read
Kennst du das? Du liegst abends im Bett. Es ist ruhig, du bist müde und gerade dabei einzuschlafen. Und dann hörst du es: Sssssss … Eine Mücke.
Eigentlich nichts Besonderes. Ein winziges Tier irgendwo in deinem Schlafzimmer. Du schließt wieder die Augen, doch kurze Zeit später ist sie wieder da. Du öffnest die Augen und lauschst. Stille. Also Augen wieder zu. Doch plötzlich wartest du bereits auf das nächste Summen.
Du machst das Licht an, schaust an die Wände, an die Decke und hinter den Vorhang. Nichts. Licht wieder aus. Aber jetzt ist etwas anders als vorher: Deine Aufmerksamkeit ist bei der Mücke. Du hörst nicht mehr einfach nur die Stille, sondern suchst in ihr nach diesem einen Geräusch. Und plötzlich nimmt dieses winzige Tier einen erstaunlich großen Raum ein – nicht unbedingt in deinem Schlafzimmer, aber in deiner Wahrnehmung.
Wenn etwas Kleines immer größer wird
Vielleicht kennst du das nicht nur von einer Mücke. Manchmal ist es ein Gedanke, der plötzlich auftaucht, eine Bemerkung, die jemand gemacht hat, eine kleine Sorge, eine Unsicherheit, ein Gefühl oder eine Begebenheit, die zunächst gar nicht besonders groß war.
Doch irgendetwas daran beschäftigt dich. Du denkst darüber nach und fragst dich vielleicht: Warum ist das passiert? Was bedeutet das? Was, wenn daraus mehr wird? Ohne es wirklich zu bemerken, kehrt deine Aufmerksamkeit immer wieder dorthin zurück. Vielleicht erzählst du jemandem davon, später denkst du erneut darüber nach, am Abend liegt es wieder mit dir im Bett – und am nächsten Morgen ist es vielleicht einer deiner ersten Gedanken. Etwas, das zunächst nur einen kleinen Raum in deinem Leben eingenommen hat, bekommt immer mehr davon.
Aus einer kleinen Mücke wird irgendwann ein ziemlich großer Elefant.
Wohin fließt deine Energie?
Wir lenken unsere Aufmerksamkeit jeden Tag – häufig, ohne uns dessen bewusst zu sein. Aufmerksamkeit ist eine Form der Zuwendung. Und für mich bedeutet Zuwendung noch etwas mehr: Wohin wir uns wenden, dorthin lenken wir auch Energie.
Eigentlich kennen wir dieses Prinzip sehr gut. Stell dir vor, du möchtest ein Instrument lernen. Am Anfang sind es vielleicht nur ein paar unbeholfene Töne, ein bisschen Geklimper. Aber du bleibst dabei, schenkst dem Instrument deine Zeit und Aufmerksamkeit und irgendwann entsteht aus einzelnen Tönen eine Melodie. Etwas hat sich entwickelt, weil du ihm immer wieder etwas von deiner Energie gegeben hast.
Wir nutzen dieses Prinzip an manchen Stellen unseres Lebens ganz bewusst, an anderen geschieht es vollkommen unbewusst. Wir beschäftigen uns immer wieder mit einer Sorge, einem Konflikt, einem Gedanken oder mit etwas, das uns fehlt. Und während wir glauben, dass wir uns einfach nur damit beschäftigen, wenden wir uns ihm immer wieder zu – und geben ihm damit auch Energie.
Je häufiger wir uns einem Thema zuwenden, desto vertrauter und gegenwärtiger wird es für uns. Wir nehmen immer mehr davon wahr, unsere Gedanken kehren leichter dorthin zurück und irgendwann kann etwas, das ursprünglich nur ein kleiner Teil unseres Lebens war, beginnen, unsere Wahrnehmung zu bestimmen.
Die Mücke wird größer – bis irgendwann ein Elefant mitten in unserem Leben steht.
Was bekommt deine Aufmerksamkeit?
Das bedeutet nicht, dass wir Schwierigkeiten einfach ignorieren sollen. Und es bedeutet auch nicht, dass jedes Problem nur deshalb existiert, weil wir ihm Aufmerksamkeit gegeben haben. Vielleicht lohnt es sich aber, einmal etwas anderes zu beobachten: nicht nur, was dich beschäftigt, sondern auch, wie häufig deine Aufmerksamkeit dorthin zurückkehrt.
Vielleicht geht es im ersten Schritt noch gar nicht darum, etwas zu verändern, deine Gedanken zu kontrollieren oder etwas loszuwerden, sondern zunächst nur darum, wahrzunehmen:
Wohin wandert meine Aufmerksamkeit immer wieder?
Denn manchmal ist etwas nicht deshalb ständig in unserer Wahrnehmung, weil es so groß ist. Manchmal wird es in unserer Wahrnehmung immer größer, weil unsere Aufmerksamkeit ständig dorthin zurückkehrt.
Vielleicht können wir nicht immer bestimmen, welche Mücke in unser Leben fliegt. Aber wir können beginnen wahrzunehmen, welcher wir immer wieder unsere Aufmerksamkeit schenken.
Wie aus einer Mücke ein Elefant wird
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